Vorwort von Mara Braun


Wolfgang Klein ist Wirt und Siebenbürger, beides von Herzen, er schreibt über wundersame Gäste, schaut in die Zukunft, erinnert an sein Brüderchen und die alte Heimat Rumänien, schreibt liebevoll über die zweite, Mainz, macht Witze unter der Gürtellinie, schimpft, freut sich, flucht und fühlt mit und ist einfach er selbst, mit dem Füller in der Hand.


Als Wolfi und ich kürzlich in seiner wunderbaren Kneipe Zum Löwen zusammensaßen, da sagte er plötzlich unvermittelt: „Mensch, Mara, warum haben wir uns eigentlich nicht schon viel früher kennen gelernt?“ Um ehrlich zu sein stelle ich mir diese Frage häufiger, seit er und ich uns vor nur zwei Jahren zum ersten Mal begegnet sind, denn es ist eine echte Bereicherung, ihn in meinem Leben zu haben. Wolfi ist großzügig, zuverlässig und treu, hat einen wunderbaren Humor und einen sehr genauen Blick auf diese Welt und ihre Menschen. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, lobt von Herzen und kritisiert offen, aber mit Bedacht. Er ist immer da für seine Leute, organisiert, kümmert sich, schafft für drei und verliert bei all dem niemals seine gute Laune; zumindest könnte man das meinen.


In Wahrheit verliert er sie natürlich von Zeit zu Zeit, so wie eben jeder von uns. Aber in solchen Momenten behelligt Wolfi andere ungern. Es ist nicht seine Art, sich zu beklagen. In einer Zeit der Abziehbilder und Duplikate ist Wolfi ein echtes Original, ein Pendler und Mittler zwischen den Welten, oder besser: Heimaten, denn derer hat er zwei. Die alte, Rumänien, und die (längst nicht mehr so) neue, zweite: Mainz. Auf beide schaut er sowohl mit dem zärtlichen Blick desjenigen, der sein Herz an einen Ort verloren hat, als auch mit dem kritischen Abstand, den dieses Doppelleben ihm ermöglicht.


Dieser spezielle Blick ebenso wie Wolfis trockener Humor haben schon sein letztes Buch Heimatlos?! ausgemacht. Diesmal nun gilt seine zärtliche Betrachtung neben den Orten, die ihn geprägt haben, den Menschen, die in seinem Leben eine besondere Rolle spielen. Die große Liebe und Bewunderung, die Wolfi seiner Mutter entgegenbringt, der zärtliche Respekt für den verstorbenen Schwiegervater, seine Anerkennung für die Alltagskämpfe eines rumänischen Taxifahrers, die ehrliche Bewunderung für seine gute Freundin Sandra oder die liebevolle Fürsorge für Brüderchen Ingo, all das ist aus Wolfis Zeilen deutlich herauszuspüren. Er erzählt nicht nur von seinem Leben, er lässt uns beim Lesen daran teilhaben, er schreibt nicht nur über diese Menschen, sondern macht sie uns vertraut.


Dazwischen reibt Wolfi sich verwundert die Augen, wenn er den Zustand der Gesellschaft beschreibt, in der wir leben, erzählt schmutzige Witze und pausiert das Schreiben, um im Löwen mit ein paar Stammgästen anzustoßen. Denn es sind schließlich die Menschen, mit denen wir unsere Zeit verbringen, die unser Leben mehr prägen als alles andere – und das ist es letztlich, wovon dieses Buch erzählt. Es gibt deswegen nur eines, was ich noch mehr empfehlen kann, als es zu lesen: Einen von Wolfis Auftritten zu besuchen, um es sich von ihm vortragen zu lassen. Ich bin gerade auf dem Weg zu einer solchen Lesung: Vielleicht sehen wir uns? Dann gibt es ganz sicher Schnaps für alle.


Mara Braun